Rückenwind – Uralte Triniatispredigt mit Slam-Elementen vom Kirchentag – kam gut

Liebe Gemeinde,

der Geist verleiht der Gemeinde Rückenwind.
Wir kommen vom Kirchentag. Heute Vormittag ist dort der Abschlussgottesdienst. Zwei Sequenzen dieser Predigt entstanden dort.

Zunächst – als Vorgeschmack auf den Predigttext – Zwei oder drei Elfchen,
die ich dort geschrieben hab:

Himmel
über dir
beginnt zu flimmern.
Flammen brennen in dir.
Pfingsten.

Pfingsten
Geist gießt
Gottes Wind weht
Wo will er hin?
hier

Konspirativ
Nikodemus schleicht,
kommt bei Nacht
Jesus hört ihm zu:
Neugeburt

Zur Vorgeschichte für Pfingsten gehört der Predigttext:
Das konspirative Treffen von Nikodemus und Jesus.
– – eine vorpfingstliche Begegnung,
ein nächtliches Vorbereitungs-Gespräch mit Langzeitwirkung.
Wir hören, was der Evangelist Johannes
schon im 3.Kap in den Versen 1-8 schreibt:

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.

1. „Niemand kommt in das Reich Gottes,
es sei denn, dass jemand aus Wasser und Geist
geboren werde“, sagt Jesus.
Der Geist Jesu ist Gott selbst, gegenwärtig auf dieser Erde
in seiner schaffenden Kraft,
in seiner bewegenden Lebendigkeit,
wie sie seit Anbeginn der Welt
im Universum wirkt,
und wie sie nicht nur Jesus, sondern allen Menschen bewegt.

Wo der Geist wirkt
da wird der Mensch zu ungewohntem fähig,
denkt und tut, wozu er sonst keine Kraft hätte.
Gewinnt eine Zuversicht, die er sonst nirgends bekäme.

Da wird er sich ändern,
da wird er seine Umwelt ändern – neu anfangen.
Und dann folgt er nicht den irdischen Wünsche, dem Fleisch,
sondern einer ewigen Hoffnung.
Er vermag seinen Glauben in Worte zu fassen
und seine Hoffnung in Taten – wie Jesus.

Er hat die Kraft,
zu bewegen,
zu steuern,
weiterzuführen,
zu heilen und zu versöhnen.
Wer etwas tut, das der Geist Gottes ihm eingibt,
der pflanzt etwas in die Welt in dem Vertrauen,
dass die Kraft aus Gott
darin weiterwirken wird,
wenn auch manchmal sehr langsam,
oft sogar über die eigene Lebenszeit hinaus,
nicht aufzuhalten durch den Tod.
Dieser Geist ist es, den Nikodemus bei Jesus sucht.

Er trifft sich mit ihm heimlich – konspirativ,
er vermutet still bei sch in Jesus
einen Gleichgesinnten im Geist,
er vermutet noch mehr, nämlich, dass er bei Jesus
mehr über Gottes Geist erfährt,
und dass der Geist Jesu
seinem Geist Auftrieb gibt.

So hofft Nikodemus, dass er
gestärkt durch die Gaben des Geistes,
irgendwie weiser, glücklicher und lebendiger
durch dieses Zusammentreffen wird.

2. „Der Wind bläst“, sagt Jesus, „und du hörst sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht“.

Geist Gottes –
Feuer, Wind, Wasser,
Bewegung, lebendige Kraft,
etwas Schwebendes, Ungreifbares
ist diesen Bildern gemeinsam.
Das hängt damit zusammen,
dass mit dem Wort nicht nur Gott bezeichnet werden soll,
sondern auf eine sehr eigentümliche Weise auch der Mensch.

Denn Geist Gottes, das ist dieses Überschneidungsgebiet:
die unscharfen, flutenden
Bilder vom Geist Gottes
sind immer Bilder von Gott und vom Menschen zugleich.
An der Schnittstelle von Gott und Mensch ist Geist.
„Der Wind bläst“, sagt Jesus,
„und du hörst sein Sausen wohl,
aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht“.
Jesus sagt damit nicht nur: So ist Gott! Sondern auch: So ist der Mensch
So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.
Ungreifbar ist der Wind.
Unantastbar ist die Würde des Menschen:
Du allein weißt, wes Geistes Kind du bist.
Es ist eine Sache zwischen Gott und dir.

Dann zerbrechen Festungen.
Blockaden lösen sich auf.
Selbst Lebensstürme erhalten einen Sinn.
Was krank macht: Zukunfts-Angst und üble Nachrede,
Rückschläge oder andere Schläge
durch Krankheiten, im Beruf,
werden dich nicht definieren.
Du bleibst ein freier Mensch.

3. ob konspirativ, ob öffentlich:
Gott hält dich lebendig,
wirkt innerlich
wirkt äußerlich
gleichzeitig
nicht eindeutig
und doch deutlich,
konspirativ, oszillativ,
auf schillerndernde Weise irritativ,
lockend und zockend
am Leben andockend
heimlich und deutlich
in dir, intim und doch indem
jeder zuhört, der will.
Der Geist weht, wo er will.
Wo er will?
Sei still.
Hör, was er will.

Der Geist, der dich denken heißt
Die Gedanken lenkt,
und in dir denkt
ja: mehr als denkt
der in dir spürt
und dich regiert
der in dir fühlt
der dich fühlt
aufwühlt
abkühlt:
Der Geist führt dich,
begeistert, erweitert,
erheitert dich.
Geh – so
– in dich!

4. Jesus meint zu Nikodemus,
es sei zu wenig, wenn du sagst: Ich bin Gottes Geschöpf.
Nein, du bist mehr, du bist geboren aus Gott.

Ein Bäcker macht Brötchen. Er schafft sie, er formt sie, sie sind das Werk seiner Hände, seine Schöpfung, und am Ende verkauft er sie über den Ladentisch.
Derselbe Mann hat Kinder. Die wird er nicht verkaufen. Sie sind durch ihn, aber nicht von ihm, sie gehören ihm nicht, sie sind ihm ähnlich und verwandt, sie sind frei wie er.

Geschaffen und geboren zu sein ist nicht dasselbe.
Egal, wer deine Eltern sind,
ob du zu einer christlichen Sippe gehörst oder nicht,
ob du deinen irdischen Eltern ähnlich bist oder nicht,
egal aus welchem Gen-pool du stammst:
Du bist – halte das fest – du bist unverkäuflich,
du bist vom Geist Gottes geboren,
du bist ein Sohn, eine Tochter, ein freies Kind Gottes:
„Die an ihn glaubten, denen gab er Macht Gottes Kinder zu werden, also Menschen, die nicht durch den Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren wurden“ , steht in Johannes 1, Vers 13.

Liebe Pfingstgemeinde,
wir haben heute sozusagen
den Heiligen Geist belauscht, wie er
bei dem konspirativen Treffen zwischen Nikodemus und Jesus gewirkt hat.
Wie er sich an der Person Jesu und an seiner Herkunft entzündet
– denn so fing ja das Treffen für Nikodemus an:
„Meister, wir wissen, dass du von Gott gekommen bist.“

Was hat Nikodemus gelernt?

Der Geist Gottes ist der Geist Jesu, der Hoffnung gibt und langen Atem, selbst über unsere eigene Lebenszeit hinaus.
Geist ist das jene Zone des Dämmerlichts, wo Gott und Mensch konspirieren. Wo wir uns wie Nikodemus auf ein Treffen mit Gott einlassen, da werden wir freigemacht von irdischen Zwängen.
Aus Geist geborene sind und bleiben freie und unverkäufliche Söhne und Töchter Gottes.

Was ist für Nikodemus aus dem konspirativen Treffen geworden?
Wir hören nur noch zwei Mal im Johannesevangelium von ihm:

Die erste Frucht des Geistes wird nicht nur die Juristen unter uns interessieren, sie hört sich sehr modern an. Da erhebt Nikodemus seine Stimme gegen den Aufruhr und Zwiespalt des Volkes für ein ordentliches Gesetz: „Richtet denn unser Gesetz einen Menschen, ehe man ihn verhört und erkannt hat, was er tut?“ fragt er in einer Sitzung der Gegner Jesu. Und damit nimmt er eindeutig in Kauf, dass man ihn als seinen Anhänger und als Galliläer abstempelt. Aus dem heimlichen konspirativen Treffen ist ein öffentliches, freies Bekenntnis geworden!

Das zweite Mal, und das ist eine für uns etwas fremdartigere Episode, wird uns erzählt, dass Nikodemus sich mit einem nicht unbeträchtlichen Vermögen an der Grablegung Jesu beteiligt. Damit verstößt er in aller Freiheit gegen alle Regeln der Konvention: Jesus, der gerade als Verbrecher sterben musste, bekommt ein riesiges Geschenk: „er brachte Myrrhe gemischt mit Aloe, etwa hundert Pfund!“ Das ist so viel, das hätte einen ganzen Friedhof zum Duften gebracht!

Zwei ganz verschiedene Formen des Bekenntnisses, zwei ganz verschiedene Aktionen der Freiheit, zwei Früchte des Geistes, gewachsen aus der Geistgabe Jesu! Man könnte die Folgen der Neugeburt des Nikodemus so zusammenfassen:
er legt sein Zeugnis für Jesus ab
in Wort und in Geld und in Tat,
er lebt für Gerechtigkeit und Freiheit im Volk,
und er hofft auf Barmherzigkeit im Tod.

Gebe Gott, dass auch bei uns
solche Früchte des Geistes wachsen und gedeihen
allen Widerständen zum trotz,
– und durch die Generationen hindurch. Amen.

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Eingeordnet unter Gemeinde, Kirche, Predigtrap, Slam, Theologie

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