vom Frieden – zur Weihnacht (ein Zeitungstext)

„Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe da kamen Weise…“ Was man sich so Alles erzählt! – so muss Matthäus gedacht haben, als er sich mit seinem Kollegen Lukas ans Werk machte. Er wollte Jesus geschichtlich einordnen, weil sein Glaube ihm wertvoll war. Ganz hat er das Legendäre noch nicht überwunden; aber was er heraus fand, hat gewirkt wie ein Sauerteig, der den Weizen allmählich durchdringt.

Lukas hat den Soldatenkaiser Augustus, Matthäus den bösen König Herodes dem Kind in der Krippe gegenüber gestellt. Wenn die politischen Verhältnisse es nicht erlaubten, sprachen ihre Leser von innerer Weisheit und Seelenfrieden: das klingt zunächst wie ein Rückzug. Gemeint war aber stets eine Überzeugung, die auf Politik aus ist. Der Frieden bleibt nicht in geistigen Höhen; sonst wäre Glaube Spekulation.

Als Heinrich IV. im Jahr 1085 den Gottesfriede im Deutschen Reich verkündete, und 18 Jahre später im Reichsfrieden die Dauerfehden des Adels per Gesetz außer Kraft gesetzt wurden, stand dahinter – auch – der Geist des Evangeliums. Sieben Jahrhunderte zuvor war bei Worms der gebürtige Ungar Martinus aus der Armee ausgeschieden, um vollkommenes Gottvertrauen zu üben: erhielt zunächst Arrest dafür, wurde aber später Bischof von Tours.

Mit dem Reichsfrieden vor tausend Jahren begann die Zeit der Kreuzzüge. Und heute noch führen Christen Krieg um das wertvolle Öl in Nahost. Der „Clash der Zivilisationen“ hat eine lange Geschichte; und manchmal hab ich heute noch das Gefühl, ich müsse mich als Christ auf die inneren Werte zurückziehen. Dann sing ich manchmal die Protestlieder der alten 68er-Barden, immer öfter auch Weihnachtslieder.

In meiner Schule werden jetzt Kinder zu Friedensstiftern ausgebildet: Zehnjährige lernen, dass es Weisheit braucht und Menschenverstand, wenn man Frieden bringen will. Ich glaube, bei ihnen ist das Christkind eingekehrt: Wenn sie groß werden, haben sie wenigstens gelernt, dass Frieden eine reale Möglichkeit ist. Und wer weiß, vielleicht wirkt ihre Weisheit ja wie ein Sauerteig!

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Eingeordnet unter Theologie

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