himmlische Heimat – Erinnerung zum 1. November

Erna Trepp, geb. Perlick, 1901 - 1993Als Kind war ich geprägt von den Erzählungen meiner Großmutter, die von ihrem Bauernhof in Pommern erzählte. Wie sie in der Gemeinschaft mit Knechten und Mägden den landwirtschaftlichen Jahresrhythmus pflegte. Die Vertreibung aus diesem Paradies war ein grausames Schicksal gewesen. Viele ihrer Leidensgenossen haben sich in Vertriebenenverbänden zusammen geschlossen. Als sich im November 98 die Grenzen öffneten, da flammte diese Nostalgie noch einmal kurz auf wie ein Irrlicht. Der Gedanke, man könnte dort im ehemaligen Pommern noch einmal zu Grund und Boden kommen, war eine reale Fiktion; ein Hirngespinst, das für kurze Zeit die Herzen besetzte. Kein noch so plausibler Hinweis konnte diesen Traum zerstören. Die Nostalgie der Vertriebenen erzeugte für einen kurzen Moment einen neuen Traum.

Dabei hatte die Realität längst neue Fakten geschrieben. Wenn Omi auf ihre Kinder und auf ihre Enkel schaute, dann war nicht mehr das pommersche Landgut im Blick. Dann sprach sie von IBM und Real Estate, von Kalifornien und der Bundesrepublik, wo ihre Kinder sich längst etabliert hatten, neue, moderne Berufe erlernt, wirtschaftlich und familiär Fuß gefasst hatten, Kinder gezeugt und die ersten Enkel – als sie starb war sie mehrfach Uroma, und freute sich auf die himmlische Heimat. Denn die war ihr zeitlebens wichtiger als die Jugendzeit in Pommern.

Ein Jahr vor ihrem 90ten Geburtstag war sie von einer einfachen Grippe so lange krank geworden, dass sie kaum wieder gesund geworden ist, und dann saß sie draußen im Hof auf ihrem Gartenstuhl, in wenig dämmerig und hinter ihrem faltenreichen Gesicht haben wir ihre Worte geahnt und ihre Gedanken: Wie sie im Geist in ihrer eigenen Heimat umherging, aus der sie nach dem Krieg vertrieben worden war, wie sie in der Vergangenheit gelebt hat und für ihre Kinder gebetet hat, die fernab in Amerika lebten. Wir wussten dass sie an ihren Ältesten dachte, der im Krieg gefallen war, und an ihren Jüngsten, der zehn Jahre vor ihr an Krebs gestorben war. Aber die Worte, die sie sagte, waren immer nur diese einen: Ich möchte gern heim und bei meinem Herrn sein.

Erna Trapp-Perlick wurde am 1. November 1901 geboren. Heute ist ihr 111ter Geburtstag.

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