evangelisch Trost

Ich hatte einen Traum. Ich saß im Wartesaal, sah durch klare Fensterscheiben Busse abfahren und ankommen. Sie waren leer, doch die Leere schreckte mich nicht. Mein Blick fand keinen Halt hier, wurde weiter geleitet. Und während die Stimme an mein Ohr drang, sah ich sie, weit hinten am Horizont: Wie Lichter aufsteigen, helle Gestalten, von der der jüngste TagSonne beschienen, ja mehr noch: von einem sonnenlosen Licht. In Scharen schwebten sie hinauf, Engeln gleich. Ich wusste: Der Tag war da.

Und kein Schrecken. Ich hatte weder Angst noch weinte ich; hörte wie Gott mich anspricht – oder ein Engel: Oder war es die Stimme meines Sonntagsschulonkels? – ermutigend: „Willst du nicht auch?“ oder aufmunternd: „Du willst doch auch dazu gehören!?“ Die Antwort war in mir gereift, wortlos: Ich weiß nur noch, dass ich aufgestanden bin. Damit endete damals mein Traum, mit Zehn.

Religionspsychologen würden sagen: typisch für dieses Alter – Adaption der familiären Religiosität. Für mich verbindet sich mit diesem Traum ein Gefühl von Heimat. Ich erinnere mich an eine angstfreie Zeit im Schoß einer Glaubensfamilie, die stets mehr gewesen ist als das Haus meiner Eltern und Großeltern: An eine unbeschwerte Zeit der strenge und der Liebe, an anregende, prägende Stunden. Und aus dieser Erinnerung sage ich heute wieder voll Dankbarkeit: „Ja. Ich bin evangelisch.“

Trotz aller Distanz, die sich mittlerweile einstellt. Und da war inzwischen durchaus so etwas wie eine Höllenfahrt gewesen. Wenn ich an all die jugendlichen Ängste denke, die sich mit der Predigt vom Jüngsten Gericht verbanden; an all die bangen fragen: Werde ich tatsächlich dabei sein am Jüngsten Tage? Und später dann: kann ich vor dem Urteil meiner Gemeinde bestehen? Trägt mein evangelisch Sein beruflich?

Heute weiß ich, die Taufe trägt. Der alten Glaubensfamilie entwachsen und trotz manchen Scheiterns weiß ich: Gott hat mich eingeladen; er lässt mich dabei sein, und hinter mein damaliges Erleben gibt es kein Zurück. Sein war das Ja. Mein war die Antwort. Ich bleibe dankbar – evangelisch.

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Eingeordnet unter Theologie

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