„Was nennst du mich gut“ – Kurztext zum Männersonntag

Das höchste Gut – lateinisch Summum Bonum, griechisch to agathon wird beim Philosophen Aristoteles als Richtschnur unseres Handelns hingestellt. In seiner Nikomachischen Ethik, der ersten großen Schrift über die Frage nach dem richtigen Leben in unserem Kulturraum, schreibt er, „dass der Mensch es weder in seinem Handeln verwirklichen, noch es erwerben könne“. Er verweigert sich geradezu jeglicher Spekulation was das Wesen des Guten an sich sei, denn überall, wo wir von einem Guten reden, so der Philosoph, hat es eine andere Gestalt, ein anderes Gesicht.

Ein guter Bauer ist in sich genauso wertvoll wie ein guter Lehrer, und doch ist das, was ihn so gut macht, immer ein anderes. Dasselbe gilt für ein gutes Möbelstück oder für einen guten Apfel: willst du das Gute einheitlich beschreiben, so landest du bei tausenderlei verschiedenen. Und dennoch wissen alle, was das Gute ist.

Hier greift die Hebräische Gotteslehre. Sie verbietet uns jegliches Bild von einem Wesen des Guten. Sie betont, dass man sich kein Bild von Gott machen kann. Und darauf spielt Jesus an:

„Was nennst du mich gut? Niemand ist gut, außer Gott.“ Gott ist der Inbegriff des Guten an sich. Das wahre Gut liegt stets außerhalb von dir. Du kannst es nicht begreifen. Und selbst wenn ein Weisheitslehrer dir einen Begriff des Guten einflößt: Im nächsten Augenblick kann es schon wieder anders gestaltet, auf neue Weise anzugeben sein. Wie überwältigend ist der Satz „verkaufe alles und gib es den Armen“; doch schon im nächsten Augenblick kann er als Ausdruck von Leichtsinn und Verschwendung gedeutet werden.

Es ist ein Satz, der für diesen reichen Jüngling gilt; vielleicht auch für den Heiligen Franz von Assisi; vielleicht – in manchen Situationen auch für dich. Aber wenn du im Alter deinen Kindern auf der Tasche liegst, weil du dein Geld allzu großzügig verschenkt hast, wird man dir mit Recht einen Vorwurf machen.  Wonach wir streben, ist das Gute, die Intention aus welcher Jesus seine Worte spricht. Kopieren hingegen hilft da nicht; und auch kein Kadave-Gehorsam. Das ist der Grund, warum Jesus diesem jungen Mann gegenüber so kritisch ist: Du musst schon deinen Verstand anstrengen. Die Antwort auf deine Frage liegt in dir, oder – eben – in Gott.

Im indogermanischen Sprachgebrauch klingen die Worte für Gott und für Gut so ähnlich, dass sich eine sprachliche Verwandtschaft nahelegt. Gott ist gut. Gott ist das Höchste, Beste, quod nihil maius cogitur – wo nichts Höheres gedacht werden kann. In den Worten eines Liedes: „Was Gott tut, das ist wohlgetan.“ Gott und das Gute liegt nicht in irgend einem abstrakten Begriff, sondern da, wo dir das Leben gelingt.

 
Der Reiche Jüngling aus dem Hundertguldenblatt
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