„Diese Welt hat sich eingezeichnet in die Gestalt des Gekreuzigten“ – Hans Joachim Iwands Predigt über 2. Korinther 5,19-21 an Karfreitag

NAMENSgedächtnis

Christus in der Kelter

Eine starke Karfreitagspredigt über 2. Korinther 5,19-21 hatte Hans Jochim Iwand am 7. April 1950 im „Haus der helfenden Hände“ in Beienrode gehalten:

Diese Welt hat sich eingezeichnet in die Gestalt des Gekreuzigten. Sie hat hier ihren letzten, ungeheuerlichen Versuch gemacht, Gott, als er mitten unter uns trat, zu beseitigen. Als sich auf einmal alles verwandelte, als verschlossene Quellen neu aufbrachen, als sich die Augen der Blinden öff­neten, als die Aussätzigen rein wurden und die Armen aufhörten, Gott zu fluchen und anfingen, Gott, den Gott, der in Jesus zu ihnen trat, zu lieben, da hat diese Welt ihren letzten Versuch gemacht, Gott los zu werden, und das Kreuz ist das Denkmal dieses letzten, aber gerade darin endgültig ge­scheiterten Versuchs. Um des Kreuzes willen darf es nun wirklich heißen: »Aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.«

Es sind zwei Worte, die sich am Anfang unseres…

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Hans Joachim Iwand – „Wenn wir alles von Gott nehmen, ist er die Mitte, um die alles schwingt“ (Predigt über Hiob 1-2)

NAMENSgedächtnis

Leon Bonnat- HiobLeon Bonnat, Hiob

Im Juni 1944 hatte Hans Joachim Iwand in einem Wochenschlussgottesdienst über Hiob 1 und 2 gepredigt und zum Ende hin Christus angeführt:

Jesus Christus hat die Hiobfrage durch­gelebt, in Jesus Christus hat der Teufel sein Spiel verloren. Jesus Christus ist der Mensch, in dem Gott Recht bekommen hat. Jesus Christus ist der einzige, der bei uns steht, wenn wir selbst in solche Anfechtung geführt werden. Jesus Christus ist der Zeuge Gottes, daß das Unglück, welches den Men­schen trifft, uns nicht von Gott scheiden, sondern zu ihm führen soll. Um Jesu Christi willen klingt es immer wieder auf im Neuen Testament: «Wel­chen der Herr lieb hat, den züchtigt er, und er stäupt einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt» (Hebr 12,8). Das Kreuz ist einbezogen in die Wege Gottes, die er mit denen geht, die er lieb hat. Darum hat Hiob recht, wenn er seiner Frau entgegnet, daß wir…

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IMG_0397 Beppo

Beppo ist mein Co-Prediger seit 2015

Beppo:       „Wir feiern Pfingsten, weil es da anpfing.“
Martin:       „Aber Beppo, doch nicht „anpfing“.
Beppo:       „Aber du sagst doch Pfing, nicht fing.“

Martin:       „Pfingsten ist ein Wort aus einer fremden Sprache. Hat mit fangen und Gefängnis ebenso wenig zu tun, wie mit anfangen.
Aber eigentlich ist deine Idee nicht schlecht, Beppo. Denn die Geschichte von Pfingsten ist eine Anfangsgeschichte. Pfingsten ist der Geburtstag: Da fing die Kirche an. Ralf Backfisch liest sie aus der Kinderbibel.“

 

Lesung der Pfingstgeschichte (Kinderbibel Regine Schindler) Ralf Backfisch

 

                   Halleluja. Gottes Geist. Fließt und fleußt,
dass er die Herzen mit sich reißt. Halleluja.

 

Statt eines Bekenntnisses: für dich, Heiliger Geist.

 

Eine Schale will ich sein

Empfänglich für Gedanken des Friedens

Eine Schale – für dich, Heiliger Geist.

Leere Hände will ich hinhalten

Offen für die Fülle des Lebens

Leere Hände  – für dich, Heiliger Geist.

Ein Herz will ich öffnen

Bereit für die Kraft der Liebe

Ein Herz  – für dich, Heiliger Geist.

Gute Erde will ich sein

Gelockert für Samen der Gerechtigkeit

Gute Erde  – für dich, Heiliger Geist.

Ein Flussbett will ich sein

Empfänglich für das Wasser der Güte

Ein Flussbett – für dich, Heiliger Geist.

 

Hauptlied: Wo Drachen fliegen, weht der Wind. Du siehst es, und du weißt: Der Wind ist selber un­sichtbar. Man sieht nur, was durch ihn geschah; so wie bei Gottes Geist.

  1. Die Kraft des Windes über dir, sie trägt den Drachen weit. Und Geistes­kraft in dieser Welt, in die Gott seine Kirche stellt: bewegt auch unsre Zeit.
  2. Als Jesu Freunde sich verkrochen / einst hinter Tür uns Wand, ging Windesbrausen durch das Haus. Sie fassten Mut und zogen aus / mit Glauben und Verstand.
  3. Die Pfingstgeschichte wird erzählt / seit damals Jahr um Jahr. Verzagten macht sie neuen Mut, denn Gottes Geist tut ihnen gut. Sie spüren: Es ist Wahr.
  4. Wo Gottes Geist auf Erden weht, da atmen Menschen auf, weil diese unsichtbare Kraft / durch Glaubenstiefe Freiheit schafft / im eignen Lebenslauf.
  5. Wenn gar kein Wind am Himmel weht, dann ruhen Drachen still. Nun warte ab, es kommt die Zeit. Und wenn sie da ist, sei bereit! Der Wind weht, wo er will.

Martin:       Beppos Freunde sind schon groß.

Beppo:       Um Ostern wurden die Lämmer geboren.

Martin:       Jetzt sind sie schon fünfzig Tage alt – fast zwei Monate:
Für Lämmer ist das, als wären sie im Kindergarten.

Beppo:       Quatsch. Lämmer gehen nicht in den Kindergarten.

Martin:       Bleiben sie denn noch bei der Mama?
Fünfzig Tage. Wenn man klein ist, eine lange Zeit.
Wisst ihr, was vor zehn Tagen war?

Beppo:       Na!? Was?

Martin:       Auch ein Feiertag.                   –        Christi Himmelfahrt.

Beppo:       Erst Himmelfahrt, dann Pfingsten. Das musst du mir erklären.

Martin: Beppo, bei wem setzt du dich auf den Schoß?

Fünfzig Tage Feierzeit.
zweimal Ferien – jetzt ist es so weit.
Was ist geschehen? Wir wollen sehen.

Jesus ist nicht mehr im Grab – warum:
Weil er auferstanden ist.
Jesus ist nichtmehr hier – warum:
Weil er bei Gott ist.

Er ist bei Gott, aber nicht so wie unsere Toten,
die auch bei Gott sind. Jesus ist auferstanden.

Du kannst all diese Sätze auf verschieden Weise sagen.

Jesus ist nicht mehr hier.
Jesus ist nicht mehr tot.
Jesus ist bei Gott.

Du kannst das traurig sagen: Jesus ist nicht mehr hier.
Du kannst das freudig sagen: Jesus ist nicht mehr hier.
Du kannst das klug sagen: Jesus ist nicht mehr hier.
Du kannst das geheimnisvoll sagen: Jesus ist nicht mehr hier.

Je nach Stimmung wird ein vollkommen anderer Satz daraus.

Dasselbe geht mit „Jesus ist bei Gott.“
Sagt das mal traurig: „Jesus ist bei Gott.“
Sagt das mal besserwisserisch: „Jesus ist bei Gott.“
Sagt das mal geheimnisvoll, mit einem ‚pst‘: „Jesus ist bei Gott.“

Je nach Stimmung wird derselbe Satz
ein Wort des Todes oder ein Wort des Lebens.
Den Unterschied zwischen Leben und Tod – das feiern wir an Pfingsten.

II

In unserem Kindergarten-Spielgelände
soll es jetzt kleine Fenster geben im Zaun.
Und da kommen bunte scheiben rein.
Je nachdem, durch welche Scheibe du guckst,
wird derselbe Baum dann grün oder grau, gelb oder blau.
Genauso ist es mit dem Heiligen Geist.

Nehmt mal das Bild auf dem Liedblatt unten:
Die Kirche vor wunderschön blauem Himmel:
Das ist unsere Kirche. Da wohnt Gott, „ahhh“.

Und jetzt stell dir vor: Das Foto hätte man an einem Regentag gemacht.
Der Himmel wäre grau, oder sogar dunkelgrün.
Stell dir ein Gewitter vor.
Oder Schnee: Das gibt ein volkkommen anderes Kirchenbild.

Stell dir vor, der Himmel wäre schwarz.
Oder das Bild wäre schwarz–weiss:
Eine andere Stimmung läge darin.
So ist es mit dem Geist.

III

Du kannst sagen: Die Welt ist schön.
Du kannst das sogar sagen, wenn du traurig bist.
Du kannst dich aber auch der Trauer hingeben.
Jesus ist nicht mehr hier.
Wir sind ja so alleine.
Du wirst verzweifeln.

Du kannst sagen: Die Welt ist trotzdem schön.
Du kannst daran zweifeln. Du kannst
an deinem Kummer nagen.
Dass du den Blick veränderst,
dass du aufschaust,
zu hoffen traust:

Das schaffst du nicht.
Da braucht es ein Wunder.
Es braucht diesen guten Geist von Gott.

Zaubern kann man das nicht.
Das muss man erlebt haben.
Und auch da kannst du nur hoffen, dass es wieder geschieht.
Es ist wie mit einem schönen Geburtstagsfest.
Oder wie beim Lagerfeuer im Landschulheim.
Krach am Bach oder das Johanni-Fest:
Es war so schön. Wir wollen das wieder!

Nächstes Jahr, denkst du,
und weißt genau,
du kannst es nicht erzwingen.
Es muss gelingen.
Und du wartest auf ein Wunder.

Die einen sprechen vom Wind,
die andern sprechen von Farben, vom Licht,
wieder andere von Athmosphäre, von Stimmungen,
von Farbe, von Musik, Harmonie.

Irgendein Geheimnis muss es sein.
Die Jünger waren wie verwandelt:
An Pfingsten feiern wir das Wunder.

Hast du das verstanden Beppo?

Dann beten wir.

Gott, dein Atem spendet der ganzen Welt Leben.
Wir freuen uns, wenn nach langem Regen
wieder die Sonne scheint und wenn uns
jemand etwas schenkt.

Gott, du bist wie die Farben des Frühlings,
freundlich, durchsichtig, sanft und weich.
Mach auch unsere Herzen so reich,
dass wir die Freundlichkeit weitergeben.

Dann können wir Luftsprünge machen, Lämmer und Kinder,
dann können wir in die Hände klatschen
und wer sich nicht zu klatschen traut,
erhebt sich im Herzen, innerlich.
Wir danken dir und loben dich. Amen.

Predigtlied: Wind, Wind, der Samen weht. Leis durch die Blätter geht. Wind, der die Sturmflut schafft: Welch eine Kraft!

  1. Wind, der die Mühle dreht, sacht durch die Blumen geht. Wind, der den Sandsturm schafft: Welch eine Kraft!
  2. Wind, der zu Pfingsten weht, durch unsre Herzen geht. Geist, der die Freude schafft: Welch eine Kraft!
  3. Geist, der uns treibt, wie Wind, dass wir nur Boten sind. Geist, der Gemeinde schafft: Welch eine Kraft!

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Rückenwind – Uralte Triniatispredigt mit Slam-Elementen vom Kirchentag – kam gut

Liebe Gemeinde,

der Geist verleiht der Gemeinde Rückenwind.
Wir kommen vom Kirchentag. Heute Vormittag ist dort der Abschlussgottesdienst. Zwei Sequenzen dieser Predigt entstanden dort.

Zunächst – als Vorgeschmack auf den Predigttext – Zwei oder drei Elfchen,
die ich dort geschrieben hab:

Himmel
über dir
beginnt zu flimmern.
Flammen brennen in dir.
Pfingsten.

Pfingsten
Geist gießt
Gottes Wind weht
Wo will er hin?
hier

Konspirativ
Nikodemus schleicht,
kommt bei Nacht
Jesus hört ihm zu:
Neugeburt

Zur Vorgeschichte für Pfingsten gehört der Predigttext:
Das konspirative Treffen von Nikodemus und Jesus.
– – eine vorpfingstliche Begegnung,
ein nächtliches Vorbereitungs-Gespräch mit Langzeitwirkung.
Wir hören, was der Evangelist Johannes
schon im 3.Kap in den Versen 1-8 schreibt:

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.

1. „Niemand kommt in das Reich Gottes,
es sei denn, dass jemand aus Wasser und Geist
geboren werde“, sagt Jesus.
Der Geist Jesu ist Gott selbst, gegenwärtig auf dieser Erde
in seiner schaffenden Kraft,
in seiner bewegenden Lebendigkeit,
wie sie seit Anbeginn der Welt
im Universum wirkt,
und wie sie nicht nur Jesus, sondern allen Menschen bewegt.

Wo der Geist wirkt
da wird der Mensch zu ungewohntem fähig,
denkt und tut, wozu er sonst keine Kraft hätte.
Gewinnt eine Zuversicht, die er sonst nirgends bekäme.

Da wird er sich ändern,
da wird er seine Umwelt ändern – neu anfangen.
Und dann folgt er nicht den irdischen Wünsche, dem Fleisch,
sondern einer ewigen Hoffnung.
Er vermag seinen Glauben in Worte zu fassen
und seine Hoffnung in Taten – wie Jesus.

Er hat die Kraft,
zu bewegen,
zu steuern,
weiterzuführen,
zu heilen und zu versöhnen.
Wer etwas tut, das der Geist Gottes ihm eingibt,
der pflanzt etwas in die Welt in dem Vertrauen,
dass die Kraft aus Gott
darin weiterwirken wird,
wenn auch manchmal sehr langsam,
oft sogar über die eigene Lebenszeit hinaus,
nicht aufzuhalten durch den Tod.
Dieser Geist ist es, den Nikodemus bei Jesus sucht.

Er trifft sich mit ihm heimlich – konspirativ,
er vermutet still bei sch in Jesus
einen Gleichgesinnten im Geist,
er vermutet noch mehr, nämlich, dass er bei Jesus
mehr über Gottes Geist erfährt,
und dass der Geist Jesu
seinem Geist Auftrieb gibt.

So hofft Nikodemus, dass er
gestärkt durch die Gaben des Geistes,
irgendwie weiser, glücklicher und lebendiger
durch dieses Zusammentreffen wird.

2. „Der Wind bläst“, sagt Jesus, „und du hörst sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht“.

Geist Gottes –
Feuer, Wind, Wasser,
Bewegung, lebendige Kraft,
etwas Schwebendes, Ungreifbares
ist diesen Bildern gemeinsam.
Das hängt damit zusammen,
dass mit dem Wort nicht nur Gott bezeichnet werden soll,
sondern auf eine sehr eigentümliche Weise auch der Mensch.

Denn Geist Gottes, das ist dieses Überschneidungsgebiet:
die unscharfen, flutenden
Bilder vom Geist Gottes
sind immer Bilder von Gott und vom Menschen zugleich.
An der Schnittstelle von Gott und Mensch ist Geist.
„Der Wind bläst“, sagt Jesus,
„und du hörst sein Sausen wohl,
aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht“.
Jesus sagt damit nicht nur: So ist Gott! Sondern auch: So ist der Mensch
So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.
Ungreifbar ist der Wind.
Unantastbar ist die Würde des Menschen:
Du allein weißt, wes Geistes Kind du bist.
Es ist eine Sache zwischen Gott und dir.

Dann zerbrechen Festungen.
Blockaden lösen sich auf.
Selbst Lebensstürme erhalten einen Sinn.
Was krank macht: Zukunfts-Angst und üble Nachrede,
Rückschläge oder andere Schläge
durch Krankheiten, im Beruf,
werden dich nicht definieren.
Du bleibst ein freier Mensch.

3. ob konspirativ, ob öffentlich:
Gott hält dich lebendig,
wirkt innerlich
wirkt äußerlich
gleichzeitig
nicht eindeutig
und doch deutlich,
konspirativ, oszillativ,
auf schillerndernde Weise irritativ,
lockend und zockend
am Leben andockend
heimlich und deutlich
in dir, intim und doch indem
jeder zuhört, der will.
Der Geist weht, wo er will.
Wo er will?
Sei still.
Hör, was er will.

Der Geist, der dich denken heißt
Die Gedanken lenkt,
und in dir denkt
ja: mehr als denkt
der in dir spürt
und dich regiert
der in dir fühlt
der dich fühlt
aufwühlt
abkühlt:
Der Geist führt dich,
begeistert, erweitert,
erheitert dich.
Geh – so
– in dich!

4. Jesus meint zu Nikodemus,
es sei zu wenig, wenn du sagst: Ich bin Gottes Geschöpf.
Nein, du bist mehr, du bist geboren aus Gott.

Ein Bäcker macht Brötchen. Er schafft sie, er formt sie, sie sind das Werk seiner Hände, seine Schöpfung, und am Ende verkauft er sie über den Ladentisch.
Derselbe Mann hat Kinder. Die wird er nicht verkaufen. Sie sind durch ihn, aber nicht von ihm, sie gehören ihm nicht, sie sind ihm ähnlich und verwandt, sie sind frei wie er.

Geschaffen und geboren zu sein ist nicht dasselbe.
Egal, wer deine Eltern sind,
ob du zu einer christlichen Sippe gehörst oder nicht,
ob du deinen irdischen Eltern ähnlich bist oder nicht,
egal aus welchem Gen-pool du stammst:
Du bist – halte das fest – du bist unverkäuflich,
du bist vom Geist Gottes geboren,
du bist ein Sohn, eine Tochter, ein freies Kind Gottes:
„Die an ihn glaubten, denen gab er Macht Gottes Kinder zu werden, also Menschen, die nicht durch den Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren wurden“ , steht in Johannes 1, Vers 13.

Liebe Pfingstgemeinde,
wir haben heute sozusagen
den Heiligen Geist belauscht, wie er
bei dem konspirativen Treffen zwischen Nikodemus und Jesus gewirkt hat.
Wie er sich an der Person Jesu und an seiner Herkunft entzündet
– denn so fing ja das Treffen für Nikodemus an:
„Meister, wir wissen, dass du von Gott gekommen bist.“

Was hat Nikodemus gelernt?

Der Geist Gottes ist der Geist Jesu, der Hoffnung gibt und langen Atem, selbst über unsere eigene Lebenszeit hinaus.
Geist ist das jene Zone des Dämmerlichts, wo Gott und Mensch konspirieren. Wo wir uns wie Nikodemus auf ein Treffen mit Gott einlassen, da werden wir freigemacht von irdischen Zwängen.
Aus Geist geborene sind und bleiben freie und unverkäufliche Söhne und Töchter Gottes.

Was ist für Nikodemus aus dem konspirativen Treffen geworden?
Wir hören nur noch zwei Mal im Johannesevangelium von ihm:

Die erste Frucht des Geistes wird nicht nur die Juristen unter uns interessieren, sie hört sich sehr modern an. Da erhebt Nikodemus seine Stimme gegen den Aufruhr und Zwiespalt des Volkes für ein ordentliches Gesetz: „Richtet denn unser Gesetz einen Menschen, ehe man ihn verhört und erkannt hat, was er tut?“ fragt er in einer Sitzung der Gegner Jesu. Und damit nimmt er eindeutig in Kauf, dass man ihn als seinen Anhänger und als Galliläer abstempelt. Aus dem heimlichen konspirativen Treffen ist ein öffentliches, freies Bekenntnis geworden!

Das zweite Mal, und das ist eine für uns etwas fremdartigere Episode, wird uns erzählt, dass Nikodemus sich mit einem nicht unbeträchtlichen Vermögen an der Grablegung Jesu beteiligt. Damit verstößt er in aller Freiheit gegen alle Regeln der Konvention: Jesus, der gerade als Verbrecher sterben musste, bekommt ein riesiges Geschenk: „er brachte Myrrhe gemischt mit Aloe, etwa hundert Pfund!“ Das ist so viel, das hätte einen ganzen Friedhof zum Duften gebracht!

Zwei ganz verschiedene Formen des Bekenntnisses, zwei ganz verschiedene Aktionen der Freiheit, zwei Früchte des Geistes, gewachsen aus der Geistgabe Jesu! Man könnte die Folgen der Neugeburt des Nikodemus so zusammenfassen:
er legt sein Zeugnis für Jesus ab
in Wort und in Geld und in Tat,
er lebt für Gerechtigkeit und Freiheit im Volk,
und er hofft auf Barmherzigkeit im Tod.

Gebe Gott, dass auch bei uns
solche Früchte des Geistes wachsen und gedeihen
allen Widerständen zum trotz,
– und durch die Generationen hindurch. Amen.

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Neunzigmalklug.

pastor's diary

Mein Leben in Fragen. (Vielleicht auch deins.)

(Kleine Anmerkung vorweg: Dieser Text wurde geschrieben für den Predigtslam auf dem Kirchentag am 06.06.2015 in Stuttgart mit dem Motto aus Psalm 90: „dass wir klug werden“. Er ist also zum Hören, weniger zum Lesen. Denke ich.)

1. Wo ist der Himmel aufgehängt?
2. Warum macht grüne Seife weißen Schaum?
3. Kommt da noch ein Baby raus?
4. Oma, schmeckt die Frau da nach Schokolade?
5. Können Fische husten?
6. Warum sind Erwachsene immer so streng?
7. Wenn ich meine Spaghetti nicht aufesse, darf ich sie dann nach Afrika schicken?
8. Wo ist Walter?
9. Wo ist Opa jetzt?
10. Warum schmecken Tränen nach Salz, nicht nach Zucker?
11. Warum muss ich in die Schule?
12. Nerven deine Geschwister auch so?
13. Wann werden meine Eltern wieder normal?
14. Was benutzt du gegen Pickel?
15. Was hilft gegen Busen?
16. Bekommen das alle?

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Sozialarbeitsstudenten interviewen Journalisten

Sozialarbeitsstudenten interviewen Journalisten.

viaSozialarbeitsstudenten interviewen Journalisten.

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Fasten-Gedanken (2): Die Sache mit dem Fisch

Gerrmanns Tagesgedanken

„Er ist weder Fisch noch Fleisch“ – so sagt man von einem Menschen, bei dem man nicht so genau weiß, woran man ist. Fügt man im zweiten Wort nur ein einziges S hinzu, ist klar: Es handelt sich um einen orthodoxen Christen, der gerade fastet. Der isst weder Fisch noch Fleisch. Bei uns in den Westkirchen ist in der Fastenzeit das erstere erlaubt, das letztere aber verboten. Warum eigentlich?

Nicht einmal das sonst „allwissende“ Wikipedia findet da auf die Schnelle eine Antwort. Man muss sich quasi durchhangeln. Aber auch so was kann ja interessant sein. Da erfährt man zum Beispiel, dass bei den Urchristen das Fasten zwar eine große Rolle spielte, aber keine Pflicht  war. Das wurde es offenkundig erst im 3. Jahrhundert. Und auch nur als „Kurzversion“: am Karfreitag und Karsamstag. Aber dann total. Später galt die Faustregel 4+2: An den beiden Tagen vor Ostern soll gar nicht gegessen…

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